AUCH DEUTSCHE UNTER DEN OPFERN – Ein neues Team feiert Premiere!

Im Januar 2015 feierte das Rechercheprojekt von Tuğsal Moğul seine Uraufführung in der U2.

Für das Theater Münster erarbeitete er drei Stücke, die sich dezidiert mit der Frage nach deutscher Identität aus speziellen Blickwinkeln beschäftigen – in dem Stück DIE DEUTSCHE AYŞE sind Gastarbeiterfamilien aus den 70er Jahren im Zentrum der Handlung. Dafür erhielt die Produktion den Publikums- und den Jugendjurypreis auf dem NRW-Theatertreffen. In DEUTSCHE KONVERTITEN stehen fokussiert vier Geschichten von Deutschen im Mittelpunkt, die aus inneren Beweggründen konvertiert sind. Was hat sie an dem neuen Glauben fasziniert? Was sind die Beweggründe für eine Konversion? Für diese Arbeit traf sich Moğul mit vier Konvertiten, dramatisierte ihre Erlebnisse und brachte sie zur Uraufführung.

Seine dritte und wohl wichtigste Arbeit ist immer noch im Programm des Theaters Münster. AUCH DEUTSCHE UNTER DEN OPFERN beleuchtet die desaströse Aufklärung des NSU-Terrors in Deutschland.

Nach der unaufgeklärten Mordserie von 2000 bis 2006 wurde im November 2011 der NSU aufgedeckt, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich getötet, Beate Zschäpe sich der Polizei gestellt. Seit Mai 2013 wird ihr und vier weiteren Angeklagten am Oberlandesgericht München der Prozess gemacht – der größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Nicht nur das Gericht, sondern auch diverse Untersuchungsausschüsse bemühen sich um Aufklärung des Falls. Doch mit welchem Erfolg? Anfang 2017 mit dem Ausblick auf ein weiteres Jahr Prozess und einem stetig anwachsenden Netz von Verwicklungen, Missverständnissen und Absurditäten im Zusammenhang der Untersuchung der NSU-Verbrechen, scheint eine Auseinandersetzung mit dem Thema nötiger denn je. Es ist ein deutsches Verbrechen, dessen lückenlose Aufklärung nicht möglich scheint. Wäre das auch so, wenn die Opfer Deutsche ohne Migrationshintergrund gewesen wären?

Damit die Vorstellung weiter regelmäßig im Programm bleiben kann, gab es nun zwei Umbesetzungen: Sandra Bezler und Bálint Tóth sind im Team dieses außergewöhnlichen Theaterabends eingearbeitet und freuen sich auf die wichtige Aufgabe, dem Publikum mit diesem Stück aktuelles Zeitgeschehen näher zu bringen und dringende Fragen aufzuwerfen. Christoph Rinke bleibt dem Team erhalten und wir danken ihm für seinen großen Einsatz bei diesem besonderen Projekt!

Nach über dreißig Vorstellungen, Gastspielen in verschiedenen Städten und dem Festival UNENTDECKTE NACHBARN in Zwickau, einer Einladung zu den Autorentagen am Deutschen Theater Berlin, freuen wir uns auf viele weitere Aufführungen bei uns im Theater. Und ganz Münster ist dazu herzlich eingeladen. Nach jeder Vorstellung wird ein Publikumsgespräch angeboten.

Nächste Termine:
22.03., 19.30 Uhr / 03.04., 19.30 / 30.04., 19.00 Uhr / 15.05., 19.30 Uhr / 29.05., 19.30 Uhr

 

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Die Absurditäten bei der Untersuchung hören nicht auf:

NSU-Ermittler sollen 114 SMS verloren haben

Schon wieder verschwundene Akten: Wie der MDR berichtet, geht der NSU-Untersuchungssauschuss des Bundestages Lücken in den Fahndungsakten des LKA Thüringen nach.

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages untersucht laut MDR eine mutmaßliche Aktenmanipulation in Thüringen. Nach Informationen des Senders geht es um mehr als hundert von der Polizei abgefangene SMS, die in den Zielfahndungsakten des Thüringer Landeskriminalamtes aus dem Jahr 1998 fehlen. Das LKA hatte damals bei der Suche nach dem untergetauchten Jenaer Terrortrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe das Handy des mutmaßlichen NSU-Unterstützers und sächsischen Neonazis Jan Werner angezapft.

Erst jetzt wurde entdeckt, dass ein Teil der abgehörten SMS von Werner in den Papierakten fehlt. In den Protokollen sind rund 2.500 abgefangene Kurzmitteilungen fortlaufend nummeriert, doch ein Block mit 114 SMS ist nicht dokumentiert. Diese Nachrichten hatte Werner mutmaßlich zwischen dem 26. und 27. August 1998 versendet oder empfangen.

Das Thüringer Innenministerium räumte in seiner Antwort vom 16. Februar 2017 an den Bundestag ein, dass die Daten verschwunden seien, berichtete der MDR. Ein damaliges technisches Versagen der Abhöranlage werde vom Innenministerium ausgeschlossen. Wie die Daten aus den alten Akten verschwunden seien, könne das Ministerium nicht erklären.

Werner hatte dem Bericht zufolge am 25. August 1998, nur einen Tag bevor die Lücke im Abhörprotokoll auftaucht, Kontakt mit dem V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes „Piatto“ gehabt. Der Untersuchungsausschuss des Bundestags wolle nun die Vorladung Thüringer LKA-Beamter als Zeugen prüfen.

8. März 2017, ZEIT ONLINE

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