Die Stasi mordet wieder …

… zumindest im Kriminalroman PLAN D von Simon Urban, der heute als Live-Hörspiel in der U2 uraufgeführt wird.

 

© Tanja Jacobs
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Berlin, Oktober 2011: Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, die BRD wird regiert von Bundeskanzler Oskar Lafontaine und in der DDR ist Egon Krenz seit zwei Jahrzehnten Staatsratsvorsitzender. Als ein ehemaliger Berater von Krenz an einer Pipeline erhängt wird, sieht alles nach einem Rachemord der Stasi aus. Um die bevorstehenden Wirtschaftsvereinbarungen der beiden Länder durch diesen Skandal nicht zu gefährden, ermitteln ein ostdeutscher Volkspolizist und ein Kommissar aus dem Westen gemeinsam in dem Fall. Mit jedem Hinweis auf die Mörder erfahren sie auch mehr über die Wahrheit ihrer Länder und sich selbst.

Seit fünf Wochen hören Regisseur Sebastian Bauer, Musiker Jonas Nondorf und die Schauspieler/innen Linn Sanders, Andrea Spicher, Benedikt Thönes und Paul Dominik Weber genau hin: Wie lässt sich eine Cola-Dose so bespielen, dass sie wie der Blinker eines Mercedes klingt? Und wie erzeugt man mit Plattenspieler, Telefonwählscheibe, Tacker, Luftballon und Stempel die Geräuschkulisse eines Plattenbaus oder den Knall einer Explosion? Denn fast alle Klänge und Geräusche, die in PLAN D zu hören sind, werden von den Spieler/innen live auf der Bühne hergestellt. Dazu sitzt Jonas Nondorf am Mischpult, spielt elektronische Sounds zu oder schnallt sich das Akkordeon um.

 

© Oliver Berg
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© Oliver Berg
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Dementsprechend begannen die Proben mit vielen Experimenten, wie mit Alltagsgegenständen und Bürozubehör der richtige Sound für einen deutsch-deutschen Krimi geschaffen werden kann.

Doch zu der klanglichen Ebene gehören natürlich auch die Stimmen der Darsteller/innen, die rund 15 Figuren der Geschichte ihre Stimme verleihen. So spricht Benedikt Thönes z.B. Kommissar Martin Wegener, der nicht nur einen hochpolitischen Mordfall zu lösen hat, sondern auch noch seiner Exfreundin Karolina hinterhertrauert und nach seinem ehemaligen Ausbilder sucht, der spurlos verschwunden ist.

 

© Oliver Berg
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Dem Publikum von PLAN D ist es in den Aufführungen selbst überlassen, ob es sich auf die Matten in der ersten Reihe legen und die Augen schließen will oder ob es den fünf Spieler/innen bei ihrer konzentrierten Arbeit an den Mikrophonen zuschauen möchte. »Wie beim Lesen des Romans erzeugen wir im Live-Hörspiel durch die Stimmen der Sprechenden und die vielen verschiedenen akustischen Reize Bilder im Kopf des Publikums. Die Schauspieler arbeiten hier ein bisschen wie Fremdenführer im unsichtbaren, fiktiven Berlin von heute: Sie nehmen die Zuschauer durch ihre Beschreibungen, Klänge und Verkörperungen an die Hand und führen sie durch die faszinierende, düstere Welt der Geschichte. Das ist auch für uns eine ganz neue Erfahrung in der Umsetzung eines Textes«, erzählt die Leiterin des Jungen Theaters, Julia Dina Heße, die bei PLAN D auch die Dramaturgie übernahm.

 

© Oliver Berg
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© Oliver Berg
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Heute Abend ist Uraufführung um 19.30 Uhr in der U2. Wir wünschen ein großes TOI TOI TOI!!!

Die nächsten Aufführungen in dieser Spielzeit sind am 6.6., 22.6. und 6.7. um 19.30 Uhr. Bei der Juli-Vorstellung wird auch der Autor Simon Urban dabei sein. Im Anschluss an diese Vorstellung gibt es ein Nachgespräch mit ihm und den Spieler/innen.

 

© Oliver Berg
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